Stellungnahme zum „Weihnachtsverbot“ an einer Deutschen Auslandsschule in Istanbul

Das zwischenzeitlich drohende Verbot von Weihnachten an der Deutschen Auslandsschule Lisesi Istanbul ist leider eines von vielen Anzeichen einer sich immer weiter von Europa und dem Westen entfernenden Türkei, die grundlegende Vereinbarungen und Abkommen einseitig in Gefahr bringt. Denn: Ein deutsches Auslandsschulwesen in der Türkei, welches aufgrund von staatlichen Vorgaben zentrale Inhalte der deutschen Kultur nicht vermitteln darf, ist schlicht nicht vorstellbar. Das deutsch-türkische Kulturabkommen, auf dessen Basis die Deutschen Auslandsschulen arbeiten, wurde mit dem Ziel geschlossen, „Verständnis für die Einrichtungen und das soziale Leben des anderen Landes im eigenen Lande zu fördern“, wie es schon in der Präambel des Abkommens festgelegt ist.

Wenn die Inhalte an diesen Schulen dem Auftrag derselben, nämlich das „Verständnis für das andere Land“ zu fördern, entgegenlaufen, dann wird diesen Einrichtungen die Daseinsgrundlage entzogen. In so einem Fall müsste tatsächlich in letzter Konsequenz die Zusammenarbeit beendet werden. Vorher sollte jedoch in Gesprächen und Verhandlungen jedes Mittel ausgeschöpft werden, um solch drastische, für beide Länder nachteilhafte Schritte abzuwenden.

Statt der Türkei bei ihrem kulturellen Kahlschlag noch die Axt zu reichen, sollten wir die Errungenschaften jahrzehntelanger Kulturbeziehung entschlossen verteidigen. Von den bilateralen Bildungseinrichtungen, von Grundschulen bis hin zu Universitäten, haben in der Vergangenheit sowohl die Türkei wie auch Deutschland deutlich profitiert. Die Türkei verlöre mit den deutschen Beiträgen an den gemeinsamen Bildungseinrichtungen führende Schulen, aus denen zahlreiche Leistungsträger hervorgegangen sind. Die Wirtschaft beider Länder profitiert von Absolventen, die sich sicher in beiden Sprach- und Kulturräumen bewegen können.

Im aktuellen Fall sind den türkischen Behörden auch dank des schnellen Protestes des deutschen Lehrerkollegiums des Lisesi die Grenzen aufgezeigt worden. Leider steht zu befürchten, dass es aufgrund der Bemühungen der aktuellen türkischen Regierung zur kulturellen und religiösen Vereinheitlichung der Türkei nicht der letzte derartige Vorgang  gewesen sein wird.

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