Bernd Fabritius – Klaus Johannis gedenkt der Deportation der Rumäniendeutschen vor 70 Jahren

Anlässlich der heutigen Teilnahme des rumänischen Staatspräsidenten Klaus Johannis am Gedenkgottesdienst für die 70.000 Rumäniendeutschen, die am 13. und 14. Januar 1945 von rumänischen und sowjetischen Kräften in sowjetische Zwangsarbeit deportiert wurden, erklärt der CSU-Bundestagsabgeordnete Bernd Fabritius, der auch Präsident des Bundes der Vertriebenen ist:

Ich schließe mich den Worten an, die Klaus Johannis heute anlässlich seiner Teilnahme am Gedenkgottesdienst gefunden hat.

Er erklärte: „Vor 70 Jahren, im Januar 1945, wurden 70.000 Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben von den bolschewistischen Kräften in sowjetische Zwangsarbeitslager verschleppt, Frauen, Männer und Kinder. Deutschland war besiegt, und jeder deutsch sprechende Mensch wurde bestraft, unabhängig davon, ob er am Krieg teilgenommen hatte oder nicht. Unter den 70.000 Verschleppten waren auch meine Großeltern. Sie waren Jugendliche. Nach einigen Jahren kehrten sie nach Hause, gealtert von dem erlittenen Leid. Sie haben nie davon berichtet, was sie im Lager erlitten haben. Es war jenseits des Aussprechbaren. In ihrem Andenken und im Andenken an alle damals Verschleppten nehme ich heute um 10 Uhr an dem Gedenkgottesdienst in der evangelisch-lutherischen Stadtpfarrkirche in Hermannstadt teil„.

Am 14.1.2015, jährt sich der Tag der Verschleppung meines Opas und meiner Tanten zu dieser alleine ethnisch bedingten und als Kollektivstrafe gedachten Zwangsarbeit. Auf dem Gebiet des heute so umkämpften Donbas in der Ukraine, in Krivoj-Rog und in Makeevka, haben diese in Bergwerken ihre Jugend, ihre Unbeschwertheit und ihre Gesundheit verloren und ein das gesamte spätere Leben prägendes Trauma erlebt. Mein Opa hat mir viel davon erzählt, es war als ob er Herta Müllers Roman „Die Atemschaukel“ vorerzählen würde. Jeder der heute oder die kommenden Tage nichts besseres vor hat, kann durch Lektüre dieses Nobelpreis-gekrönten Werkes sich ein eigenes Bild davon verschaffen, was die Deutschen Rumäniens von 1945 bis 1950 an kollektivem Leid erlebt haben.

Dass Rumänien sich dieser dunklen Seiten der eigenen Geschichte mit so viel Aufrichtigkeit stellt, für das es sich vor vielen Jahren entschuldigt hat, ist hoch anerkennenswert. Seit 2013 zahlt Rumänien auch den in Deutschland überlebenden Opfern dieser Zwangsarbeit eine Entschädigungsrente, in den letzten beiden Jahren wurden rund 1200 Genehmigungsbescheide erlassen, einige Verfahren sind noch in Arbeit. Das bringt zwar keinem der Verschleppten diese Jahre seines Lebens zurück, aber es stellt durch die ausgesprochene Rehabilitierung etwas von der vernichteten Menschenwürde wieder her.

Ich werde am 17.1 2015 gemeinsam mit dem Bischof der Evangelischen Kirche Rumäniens, Herrn Reinhart Guib, an der zentralen Gedenkveranstaltung in Deutschland, im Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm, teilnehmen.

Die Teilnahme des Staatspräsidenten an dem Gedenkgottesdienst in Hermannstadt belegt, dass Rumänien es damit auch wirklich ehrlich meint.

Angehängte Dateien