Interview mit der Deutschen Welle zur Polenreise des Ausschusses für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik vom 16. März 2017

Arbeitsübersetzung ins Deutsche

Deutscher Politiker über seinen Besuch in Polen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Deutsche Welle:  Eine Woche lang ist der Unterausschuss für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik, dessen Vorsitzender Sie sind,  zu  Besuch in Polen. In der Information, die vor der Abreise der Delegation veröffentlicht wurde, lesen wir, dass dieser Besuch die Reaktion auf die neue Ausrichtung Polens in der Kulturpolitik ist. Mit welchen Erwartungen sind Sie nach Polen gereist?

Bernd Fabritius: Wir wollten uns eine eigene Meinung über die aktuelle Situation in Polen bilden. Natürlich haben wir gehört, dass die Regierung in Warschau eine Kulturpolitik präferiert, bei der der Schwerpunkt auf dem Patriotismus liegt. Wir führten Gespräche im  Ministerium für Kultur, trafen uns mit dem stellvertretenden Minister Jaroslaw Sellin, sprachen mit Vertretern der Kunst, Kultur und den Medien. Uns lag daran, zu erfahren, wie sich diese Situation wirklich auf ihre Arbeit auswirkt. Ich bedaure es sehr, weil ich denke, dass es eine beunruhigende Entwicklung ist, wenn die Förderung der Kunst und Kultur davon abhängig gemacht wird, ob ihr Inhalt der Regierung gefällt oder nicht. Wir haben erfahren, dass kritische Medien ums  Überleben kämpfen, weil staatliche Unternehmen ihre Werbung zurückziehen. Dies ist keine günstige Entwicklung für die Gesellschaft. Die Delegation besuchte unter anderem das Museum des II. Weltkrieges in Danzig.
 
Deutsche Welle: Wie wurden Sie aufgenommen?

Bernd Fabritius: Sehr gut, weil die polnische Seite erkennt, dass wir als Freunde kamen. Die deutsche-polnischen Beziehungen sind sehr, sehr wichtig. Deshalb änderte die Kommission ihre Pläne und beschloss, nach Polen zu reisen. Zu Beginn des letzten Jahres haben wir geplant, dass wir in Regionen reisen, die in der aktuellen Diskussion zum Thema Migrationspolitik wichtig sind, u.a. nach  Libyen,  aber wir stellten fest, dass ein Besuch in Polen noch wichtiger ist. Die Entwicklung in Polen, erachten wir als gefährlich und einige unserer Befürchtungen wurden bestätigt. Andererseits haben wir auch sehr positive Erfahrungen gemacht. Wir beobachten, dass die polnische Gesellschaft ausreichend kritisch ist, um es klar zu sagen – sich nicht alles gefallen läßt. Vor allem in den großen Städten. Wir haben ein sehr interessantes Gespräch mit dem Stadtpräsidenten von Danzig geführt, auch mit den Vertretern der Schulen, mit jungen Menschen und haben sehr positive Eindrücke gewonnen.

Deutsche Welle: Sie besuchten auch das Museum des Zweiten Weltkriegs in Danzig?

Bernd Fabritius: Ja, wir konnten die in wenigen Tagen öffnende Ausstellung sehen. Wir waren sehr positiv von der Konzeption überrascht, beginnend mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und endend mit dessen Folgen. Erstmals habe ich gesehen, auf  welch ehrliche  Weise sogar die Vertreibungen  der Deutschen aus Polen problematisiert werden. Wir haben bewusst Orte berücksichtigt, die  für die polnisch-deutsche Geschichte wichtig sind. Wir haben in Danzig auch das Europäische Zentrum der Solidarität besucht, das ausgezeichnet aufgearbeitete, auch in Bezug auf die politische Analyse, Museum der Solidarität und führten  ein interessantes Gespräch mit dem Direktor des Zentrums Basil Kerski. Alles in allem, war es eine sehr fruchtbare Reise. Insgesamt ist Danzig eine aufregende Stadt. Während des Gesprächs mit dem Wojwoden von Pommern, einem PiS-Politiker, thematisierten  wir auch die seltsamen Reaktionen  einiger Medien nach der Wiederwahl von Donald Tusk zum Präsident des Europarates. Ich denke hier an die “ Gazeta Polska“, die auf dem Titelblatt  Tusk in einer Wehrmachtsuniform abbildete. Das wundert mich. Ich denke, dass das Missbrauchen einer Entscheidung des Europäischen Rates zur Entfesselung einer neuen, antideutschen Medienkampagne grundsätzlich falsch ist. Polen ist ein sehr wichtiges Land und sollte nach Partnern suchen. Die Selbstverurteilung zur  Isolation ist sicherlich nicht richtig.

Deutsche Welle: Einer der Punkte der Reise ist ein Treffen mit der deutschen Minderheit. Was wollen Sie besprechen?

Bernd Fabritius: Vor allem die Brückenfunktion, die die deutsche Minderheit erfüllt. Wir fahren auch nach Oppeln um mit den Vertretern der Minderheit zu sprechen, weil die Entscheidung zur  Verwaltungsreform und Änderung der Grenzen Oppelns  die Minderheit tatsächlich trifft. Wir wollen uns die Sache kritisch anschauen. Wir müssen daran erinnern, dass Polen das Übereinkommen des Europarates zum Schutz nationaler Minderheiten ratifiziert hat und sich verpflichtet hat, sie zu unterstützen und ihre Rechte zu achten. Wenn eine Verwaltungsentscheidung erlassen werden muss, muss man auch Wege zur Sicherung der Rechte von Minderheiten finden, zur Förderung der Sprache und Sicherstellung zweisprachiger Ortsschilder. All das sollte im Interesse Polens sein, weil es das Land bereichert. Die kulturelle Vielfalt ist immer von Vorteil für  ein  Land und ich denke, dass Polen dieses und jenes verbessern  könnte.
 
Deutsche Welle: Die Delegation ist heute (2017.03.16) in Krakau, danach in Oppeln. Welche Ziele hat die Reise noch?

Bernd Fabritius: Dann fahren wir nach Breslau. Wir begannen die Reise in Warschau, von dort ging es nach Danzig, wo wir unseren Besuch auf der  Westerplatte begannen. Bewusst haben wir, die für die deutsch-polnische Geschichte wichtigen Orte besucht.

Heute steht Krakau auf dem Programm, wo wir mit den Vertretern der deutschen Institutionen im Ausland sprechen werden dem Goethe-Institut, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Wir werden uns auch mit Vertretern der deutschen Zentralstelle für das Auslandsschulwesen(ZfA) treffen. Dies alles sind wichtige Akteure im Bereich Kultur und Bildung. Nach Oppeln, wo wir mit Vertretern der deutschen Minderheit zusammenkommen, u.a. mit einem Mitglied des Parlaments, Herr Galla, fahren wir nach Breslau. Wir wollen unbedingt die Kulturhauptstadt Europas 2016 sehen. Insgesamt eine bunte und vielfältige Reise

Deutsche Welle: In der Zusammenfassung noch ein wenig früh, aber spontan, wie sehen Sie die Zukunft der bilateralen Kulturbeziehungen?

Bernd Fabritius: In der Perspektive bewerte ich sie als sehr gut, weil ich mit  Freude feststelle, dass die polnische Gesellschaft sehr pro-europäisch ist und auch in Deutschland einen Freund sieht. Man sollte sich bewußt machen, dass Polen im Erlernen der deutschen Sprache Weltmeister sind. Es lernen 2,3 Millionen Polen deutsch! Ich beobachte auch, dass die aktuellen Positionen der  Regierung PiS keine  breite Unterstützung in der Gesellschaft haben. Dies ist der Beginn der Veränderung. Und Exzesse, wie  in „Gazeta Polska“ sollte man nicht überbewerten.

Deutsche Welle: Vielen Dank für das Gespräch.

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