Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten trifft ukrainischen Botschafter

Die Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten der CDU/CSU Bundestagsfraktion empfing unter der Leitung des Vorsitzenden Klaus Brähmig den Botschafter der Ukraine Pavlo Klimkin im Deutschen Bundestag. Wie viele Gespräche dieser Tage, bestimmte der aktuelle Konflikt der Ukraine mit Russland auch den Bericht des Botschafters und die Wortmeldungen der Gruppenmitglieder. Besonders die Darstellung der Krise in den Medien Russlands, der Ukraine und auch Deutschlands wurde diskutiert. Ich habe meine Eindrücke meiner Reise mit der Delegation des EU Ausschusses in die Ukraine geschildert: Es findet dort ein knallharter Medienkrieg statt, mit dem ganz evidenten Ziel Putins, die ukrainische Gesellschaft zu spalten und sich so den wirtschaftlich wichtigen Teil der Ostukraine zu sichern. Durch gezielte Falschmeldungen werden die russischen Bewohner der Ukraine gegen die Ukraine und ihre ukrainischen Landsleute aufgebracht.

Botschafter Klimkin berichtete seinerseits von Erkenntnissen zur Einflussnahme Russlands auf deutsche Medien und Versuchen, die öffentliche Meinung in Deutschland z.B. durch massive Manipulation über die Kommentarfunktionen bei Online-Publikationen zu beeinflussen. Auch sei bedauerlich, dass bestimmte Medien in Deutschland unkritisch russischer Propaganda Raum böten und auch z.B. den russischen Botschafter zu Wort kommen ließen ohne gleichzeitig auch die Ukrainische Position zu präsentieren.

IMAG1432Abseits dieses Themas und als Aufgabe für hoffentlich bald kommende friedlichere Zeiten in der Ukraine habe ich ein weiteres Anliegen besonders der Deutschen aus Rumänien angesprochen: die Aufarbeitung der von etwa 70.000 Zivilpersonen deutscher Volkszugehörigkeit aus Rumänien in der Ost-Ukraine geleisteten Zwangsarbeit in den Jahren 1945-1950. Dieses bedauerliche Kapitel, dem schon im Roman „Die Atemschaukel“ von Herta Müller ein literarisches und nobelpreisgekröntes Erinnerungsmal gesetzt wurde, ist im öffentlichen Wissen in der Ostukraine als dem Ort des Geschehens bis heute nicht verankert. In Donezk habe ich bereits Gespräche mit Vertretern der Stadt und auch der Nachfolgeunternehmen des Kohlebergbaus im Donbas geführt und angeregt, das Thema in geeigneter Form auch als Beispiel der Völkerverständigung im Donbas zu verankern. Viele Zeitzeugen haben von bewegenden Begegnungen in Mitgefühl und Solidarität zwischen den damaligen deutschen Zwangsarbeitern aus Rumänien und den ukrainischen Bewohnern berichtet, die durchaus mit dem Schicksal der Betroffenen gemeinsam in Erinnerung gehalten werden sollten.

Im kommenden Jahr jährt sich die Verschleppung zur Zwangsarbeit der Deutschen aus Rumänien in die Ukraine zum 70. Mal, was Anlass zu einem geeigneten Projekten vor Ort bieten würde. Auch die Universität Donezk, an welcher ein deutscher Studiengang vorhanden ist, könnte in dieses Vorhaben  einbezogen werden. Botschafter Klimkin sagte sofort zu, das Projekt zu unterstützen und regte an, dazu ein Treffen mit dem Gouverneur des Bezirkes Donezk, Sergej Taruta, während dessen geplanten Besuchs in Berlin im Sommer dieses Jahres zu vermitteln.