Besuch in Probstdorf

Heute wurde der Abschlussbericht des Staatssekretärsausschusses zur Zuwanderung in die sozialen Sicherungssysteme samt des dazugehörigen Gesetzentwurfs im Kabinett beschlossen. Viele Forderungen, die die CSU Anfang dieses Jahres gestellt hatte, wurden erfüllt.

Das zugrundeliegende Problem, die Armut in einigen Ländern Europas, bleibt jedoch bestehen und damit auch der Grundsatz, den ich bereits zu Beginn der Debatte genannt habe: Die Armut in Europa kann und darf nicht durch Migration gelöst werden. Lösungen dafür gibt es nicht in Deutschland, sondern nur in den betroffenen Ländern vor Ort.

Während meiner Reise nach Rumänien mit dem parlamentarischen Staatssekretär im Innenministerium, Dr. Günter Krings, habe ich ein beispielhaftes Projekt besucht, welches zeigt, was mit viel Engagement und Leidenschaft erreicht werden kann.

17514084381966511720651779Seit 2007 leitet die ehemalige Wiener Landtagsabgeordnete Dr. Barbara Schöfnagel in Probstdorf/Siebenbürgen  (rumänisch: Stejarisu, ca. 20 Km südlich von Schäßburg, ca 85% der Einwohner sind heute Roma) ein ehrenamtliches Projekt zur nachhaltigen sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung der Gemeinde. Zu Beginn war Probstdorf ein Dorf, wie viele im Harbachtal: Über 80% Arbeitslosigkeit, es gab keinerlei Tourismus, die Kirchenburg, das Pfarrhaus und die ehemalige deutsche Schule waren verwaist und in einem sehr schlechtem Zustand.

Heute verfügt das Projekt in Probstdorf über eine Schmiede, eine Schloßerei, eine Tischlerei, eine Gärtnerei und eine Obstverarbeitung. Die Schule und das Pfarrhaus wurden saniert und in ein Begegnungs- und Gästehaus umgewandelt. Viele Bewohner waren in die Auf- und Umbauarbeiten einbezogen und erhielten auf diese Weise eine handwerkliche Grundausbildung und damit erstmals die Aussicht auf eine feste Anstellung. Mittlerweile hat über die Hälfte der Probstdorfer einen festen Job. Die meisten in Agnetheln und Mediasch. Viele der übrigen Bewohner arbeiten ehrenamtlich in den Werkstätten des Projekts oder verdienen ein wenig Geld, durch den Verkauf von Früchten für die Obstverarbeitung. Auch Touristen, besonders Mountainbiker, kommen nun nach Probstdorf und verschaffen dem Projekt weitere Einnahmen, die gleich wieder investiert werden.

20140817_135656Es ist unglaublich beeindruckend, was in Probstdorf in wenigen Jahren geschafft wurde. Wenn es mehr derartige Projekte geben würde, wären wir im Kampf gegen die Armut in Europa schon ein gutes Stück weiter. Das Projekt beweist jedenfalls, dass soziale Inklusion der Roma in ihren Heimatländern möglich ist, wenn dort bestehende Vorurteile abgebaut werden.