Besuch in Flüchtlingsunterkunft Flughafen Tempelhof

Bei einem Besuch in der Berliner Flüchtlingsnotunterkunft in den Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof hatte ich in der vergangenen Woche die Gelegenheit, mit Flüchtlingen zu sprechen und mich nach der Situation vor Ort zu erkundigen. Grundsätzlich ist diese besser als man allgemein von einer Massenunterkunft erwarten würde. Die Abläufe sind geordnet, die Belegung hat sich im Vergleich zum Höhepunkt vor ca. einem halben Jahr deutlich entspannt und die Flüchtlinge selbst sind natürlich erleichtert, dass sie den Wirren und Gefahren ihrer Heimat entkommen konnten und sich nun bei uns in Sicherheit befinden.

Ein Defizit gibt es allerdings bei der Privatsphäre. Kein Wunder bei immer noch 1.200 Flüchtlingen in drei Hangars. Zu diesem Gefühl tragen aber auch die zwingend notwendigen strengen Sicherheits- und Brandschutzbestimmungen bei, aufgrund derer die einzelnen Wohneinheiten ohne Türen oder Zimmerdecken ausgeführt sind. Die meisten Bewohner hängen ihre Doppelstockbetten notdürftig mit Tüchern ab, um wenigstens etwas Sichtschutz zu schaffen.

Da es keine verschließbaren Spinde gibt, ist es eine Herausforderung, sein Hab und Gut beisammenzuhalten. Da wird das Handy nachts schon mal am einzig sicheren, privaten Ort aufbewahrt – in der eigenen Unterwäsche. Und wer will schon mit Wertsachen und wichtigen Asylpapieren unter die Dusche gehen?

Ein weiteres Problem sind Konflikte unter den Bewohnern. Diese sind gewissermaßen vorprogrammiert, da beispielsweise die aus Syrien Geflüchteten aus allen politischen, ethnischen und religiösen Gruppen des Landes stammen, welche sich im dortigen Krieg auf verschiedenen Seiten gegenüberstehen. Die untereinander existierenden Spannungen können nicht von heute auf morgen an der deutschen Grenze abgelegt werden. Dennoch müssen wir unbedingt darauf bestehen, dass es nicht zu Gewalt kommen darf und unsere Werte und Normen, wie beispielsweise Religionsfreiheit, auch von den Flüchtlingen geachtet werden. Rund um die Uhr sind geschulte Deeskalationsteams im Einsatz, die bei aufkommenden Problemen eingreifen können.

Das viele ehrenamtliche Engagement aus dem Umfeld der Unterkunft ist beeindruckend und stellt eine große Hilfe für Flüchtlinge und Betreiber dar. Ein Lichtblick für die Kinder ist das vom Hilfsbund „Kinder in Not“ und weiteren NGOs in einer der großen Hallen ausgerichtete Zuckerfest nach dem Ramadan.