Auslandsschuljahr in den U.S.A.: Erfahrungsbericht meines PPP-Patenkindes Antonia Strobl

Auch im Rahmen des 32. Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP) des Deutschen Bundestags durfte ich 2015/16 wieder ein Patenkind als Schüler-Botschafterin in die U.S.A. schicken.

Begeistert erzählt Antonia Strobl von ihren Erlebnissen in Amerika, der High-School und ihrem sozialen Engagement.

Lesen Sie hier ihren Erfahrungsbericht:

 
 
Antonia Strobl
PPP 2015-16
Manchester Tennessee, USA
Dr. Bernd Fabritius
 
Abschlussbericht
 
Einleitung
 
Der faszinierende Traum Austauschschülerin zu sein, ein komplett neues Leben innerhalb
eines Jahres zu erfahren und Teil einer neuen Familie und Kultur auf der anderen Seite
der Welt zu werden, begleitete mich schon Ewigkeiten. Als ich erfuhr, dass ich als
deutsche Botschafterin in die USA gehen würde, ging mein lang ersehnter Wunsch in
Erfüllung und ich war mehr als glücklich. Die zehn Monate einer unvergesslichen Zeit
vergingen viel zu schnell und es fühlt sich surreal an, jetzt darüber zu reflektieren. In dem
Moment kurz bevor ich zum ersten Mal meiner Gastfamilie gegenüber stand, gingen mir
tausend Fragen durch den Kopf. Rückblickend betrachtet, ein verrückter, aufregender
Augenblick so plötzlich eine neue Familie zu haben und der Beginn einer unvergesslichen
Zeit.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1. Washington DC Vorbereitungstag
2. Meine Gastfamilie und ich (ganz links) 
 
 
 
Auswirkungen meiner Erfahrungen auf mein Verständnis, meine Erkenntnisse:
 
In der Eingewöhnungsphase fühlte ich mich manchmal wie in einem amerikanischen Film.
Das Anfeuern der Schulteams, die Zusammengehörigkeit und das Mitfiebern waren erste
Eindrücke von der High School. Ich hoffe, an meiner Schule in Deutschland mehr davon
einbringen zu können, um Dinge auf die Beine zu stellen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
First Footballgame
School Spirit !!
 
 
Plötzlich in einer Großfamilie zu leben, war anfänglich eine Umstellung für mich, doch ich
lernte schnell die Chance, was es bedeutet, einmal in seinem Leben Geschwister zu
haben, wertzuschätzen. Bei meinem Freiwilligen Dienst in der Kirche, Gemeinde und Preschool
wurde mir deutlich, welchen Unterscheid es machen würde, wenn sich mehr
Menschen ehrenamtlich einbringen würden und dass ich mich selbst in Deutschland mehr
engagieren möchte.
 
Respekt, Toleranz und damit verbunden die Toleranzgrenze waren die Themen, die mich
vor allem in meinem Austausch beschäftigten. In vielen Momenten war es nicht einfach für
mich meine eigene Meinung in Diskussionen zu äußern und auch das Verständnis für
andere für mich eher konservativere Standpunkte aufzubringen und zu verstehen, woher
manche Einstellungen kommen. Anpassung war sehr wichtig, um ein gutes Verhältnis zu
meiner Gastfamilie aufzubauen. Mein Respekt und Verständnis für andere
Lebensvorstellungen und Werte sind in diesem intensiven Jahr sehr gewachsen.
Ich habe gelernt selbstständiger, unabhängiger und offener zu werden, keine Angst zu
haben, Neues auszuprobieren und zu entdecken, etwas Anderes zu wagen. In meiner
High School hatte ich ohne Vorkenntnisse für eine Rolle im Musical vorgesprochen und
war dem Tennis Team beigetreten, damit öffnete ich mir die Türen zu einzigartigen
Erlebnissen. Mit meiner Gastfamilie probierte ich Dinge aus, die ich sonst niemals gewagt
hätte. Ich lernte Fischen, Kanu fahren, wie man entlaufene Kühe mitten in der Nacht
wieder einfängt und wie es ist, Teil einer Großfamilie zu sein. Die Offenheit vieler meiner
amerikanischen Mitschüler und Menschen, einfach ein Gespräch anzufangen und
unbekannte Leute mit einzubeziehen, hat mir geholfen, offener für Neues und Fremdes zu
werden.

Botschafter Deutschlands:
 
In vielen Momenten hatte ich das Gefühl, dass ich
einen Teil zur Völkerverständigung beitragen konnte.
Sowohl in meiner Gastfamilie als auch in meiner
High School, Kirchengemeinde oder meinem
Freundeskreis. Durch Erzählungen über Zuhause mit
Freunden oder der Gastfamilie fing der Prozess,
an sich ein Bild über Deutschland machen zu können,
über Unterschiede nachzudenken, Verschiedenheiten

zu identifizieren und zu respektieren.

 
1. Musical “Grease“  

 
In der Schule wurde ich oft mit Fragen konfrontiert, 
die einerseits lustig waren, mich aber auch stutzen
ließen, welches Bild manche von meinem Heimatland
hatten.
 
Diverse Vorurteile, Klischees und
Vorstellungen über Deutschland und die Menschen dort
versuchte ich zu erklären und aus meiner Sicht zu erzählen.
Durch eine Präsentation über das Leben in Deutschland
und mit der Hilfe von vielen aufgeschlossenen Lehrern
versuchte ich meinen amerikanischen Mitschülern das
Leben in der deutschen Kultur näher zu bringen. Als ich
meiner Chor Klasse ein deutsches Weihnachtslied für das
Winterkonzert beibringen durfte, wurde die Thematik
Sprachbarriere deutlich, doch mit viel Übung schafften
wir es zusammen, das Lied auf die Bühne zu bringen.
Mit deutscher Küche wie Schnitzel mit Kartoffelsalat,
Brezen oder Plätzchen konnte ich mit der “taste of culture“
die Esskultur vermitteln. Es wurde schnell
das Lieblingsessen meiner Gastfamilie und die Schnitzel wurden
mit der ganzen Familie inklusive den Großeltern, geteilt.
2. Mein erster Fisch !!
 
 
Zusammenfassung und Ausblick
 
“ Life begins at the end of your comfort zone “
Die Entscheidung Austauschschülerin zu werden, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen,
war der beste und wichtigste Entschluss, den ich in meinem Leben bis jetzt gemacht habe:
Mein gewohntes Umfeld hinter mir zu lassen, Neuland zu betreten, plötzlich als Einzelkind
in einer Großfamilie zu leben und von der Stadt auf einen Bauernhof zu ziehen. Diese
Möglichkeit für einen längeren Zeitraum in eine andere Kultur einzutauchen hat meine
Sicht in vielen Dingen bereichert, auch verändert und mich nachdenklicher gemacht. Mein
PPP Jahr hat mir die Augen dafür geöffnet, wie wichtig es ist, Differenzen wie andere
politische Meinungen, religiöse Ansichten und Lebenseinstellungen zu respektieren und
offen damit umzugehen.
Die Vielseitigkeit Amerikas hat mich fasziniert, doch gleichzeitig hat es mich auch frustriert,
wie begrenzt die amerikanische Vision sein kann. Ich habe den Süden Amerikas näher
kennen gelernt, ein weiteres Puzzle Teil meines Amerikabildes. Erinnerungen an Camping
Trips, den Sternenhimmel über Tennessee oder eine Übernachtung in
Hängematten auf dem Waldstück meines Gast-Opas bringen das grenzenlose Gefühl
zurück, das ich oft hatte, wenn mein Blick über die weiten Felder wanderte.
Eindrücke und Erinnerungen von dem Amerika, das ich kennen gelernt habe, begleiten
mich jeden Tag. Ich denke an die Höhen und Tiefen, die diese Erfahrung ausgemacht
haben und wie unglaublich es jetzt ist, Tennessee mein zweites Zuhause nennen zu
können. Es ist der Anfang vom Ende, die Verbindung von zwei unterschiedlichen Kulturen,
die bestehen bleibt. The PPP scholarship makes life changing experiences for both
cultures possible and I am so thankful that I have been a part of this challenge.